Foto: EJW-Weltdienst, Kathrin Geiger
Danken und grüssen

In den letzten Weltgebetstagsjahren haben wir jeweils geübt, in einer einheimischen Sprache danken und grüssen zu können. Bei Nigeria mit seinen 500 Sprachen ist schon die Auswahl eine Herausforderung. Ich habe mich für Beispiele aus den drei grössten Sprachgruppen entschieden: Hausa, Yoruba und Igbo. Als Bündnerin bin ich mir durchaus bewusst, dass mein Auswahlkriterium sehr unfair ist gegenüber den vielen sprachlichen Minderheiten. Dafür habe ich so die Chance, dass mehr Nigerianer:innen meine einzigen Worte in ihrer Sprache verstehen.
Deutsch: Danke, Hallo, Antwort auf Gruss
Hausa: Naa gode, Sannu, Sannu
Yoruba: Ose, Bawo ni, Dada
Igbo: Dalu, Kedu, Odinma
Informelle Begrüssung «Hallo»
«Hallo» ist eine informelle Begrüssung, die nicht überall passt. Dafür ist sie einfacher. Meistens gehört zur Begrüssung eine Anrede dazu, ein Titel, die Verwandtschaftsbeziehung oder ein Name. In Hausa ist der Gruss für die Eltern: «Sannu Mama» und «Sannu Baba».
Die Antwort auf den Gruss tönt oft anders als das erste Grusswort.
Erwartet wird, dass die Jüngeren zuerst grüssen, in der Familie wie in der Schule, der Kirche oder Moschee, gerne mit einem Neigen des Kopfes oder einer leichten Verbeugung. Direkter Augenkontakt wird meist vermieden, dafür ein Lächeln sehr geschätzt. Zum Respekt vor älteren Menschen gehört auch, dass sie nicht mit ihrem Vornamen angesprochen werden.
Gruss im Verlauf des Tages
Neben dem informellen «Hallo» gibt es spezifische Begrüssungen je nach Tageszeit oder auch der Situation, in der ich jemanden antreffe. In Igbo tönt das so:
Guten Morgen: Ututu oma
Guten Mittag: Ehiehie oma
Guten Abend: Mgbede oma
Gute Nacht: Kachifo
Zum Üben in Igbo: https://www.youtube.com/watch?v=zbURysFQIOY
Ritualisierte Begrüssungsgespräche
Das formelle Grüssen geht oft weiter, indem ich mich nach dem Wohlergehen der ganzen Familie erkundige, vielleicht auch nach den Tieren, der Arbeit. Abkürzungen gelten als unhöflich.
In Hausa tönt das ungefähr so:
A1: Guten Morgen. -> Ina kwana. -> Wörtlich eigentlich: Hast du gut geschlafen?
Oder A2: Guten Nachmittag. -> Ina wuni. -> Wörtlich: Wie läuft es heute? Was hast du erlebt?
B: Mir geht es gut. Es geht gut. -> Lafiya lau.
A: Wie geht es deinen Eltern? -> Yaya Mama da Baba?
B: Es geht ihnen gut. -> Suna lafiya.
A: Wie geht es der ganzen Familie? -> Yaya iyali?
B: Es geht allen gut. -> Suna lafiya.
A: Grüsse alle von mir. -> Toh, a gaishe su ko.
B: Ich werde es ausrichten. -> Toh, zasu ji.
A: Danke. -> Madalla.
B: Danke. -> Madalla.
Solche Begrüssungsgespräche sind ein Ausdruck von Respekt und legen den Boden für eine gute Beziehung. Sie folgen gewissen Regeln und unterscheiden sich von Ethnie zu Ethnie und innerhalb der meisten Ethnien nach Alter, Geschlecht und sozialer Stellung.
Körperhaltung, Gebärden beim Grüssen
In einem formelleren Setting ist der Ausdruck von Respekt und Ehrerbietung gegenüber älteren und sozial höher gestellten Menschen deutlicher als in einem informellen Setting unter jungen, befreundeten Menschen. Mit Berührungen ist Vorsicht geboten, insbesondere in muslimischen Kreisen. Die Initiative geht üblicherweise von den Älteren und angesehenen Männern aus. Am ehesten können sich gleichaltrige Männer zur Begrüssung wie bei uns die Hand reichen, am wenigsten Mann und Frau.
Bei den Hausa wird ein jüngerer Mann warten, bis der ältere und höhergestellte Mann ihm seine Hand entgegenstreckt und sie dann mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung ergreifen. Eine Frau wird niederkauern, den Blick zu Boden senken und auf ein Zeichen warten, um sich wieder zu erheben.
Bei den Yoruba wird die Frau vor älteren Personen niederknien und dabei den Kopf leicht neigen. Der jüngere und weniger vornehme Mann wir sich ausgestreckt ganz auf den Boden legen, mit seiner Stirn den Boden berühren und dann auf ein Zeichen zum Aufstehen warten.
Bei den Igbo darf eine Frau die dargereichte Hand eines Mannes mit ihrer rechten Hand kurz fassen, indem sie dabei ihre linke Hand unter ihren rechten Ellbogen legt. Junge Männer reichen sich die Hand. Angesehene, ältere Männer schlagen zuerst dreimal ihre Handrücken gegeneinander, bevor sie sich die rechte Hand zum Gruss fassen. Manchmal schlagen sie auch ihre Ritualstöcke aneinander, bevor sie sich die Hand reichen. Es sind die hochangesehenen Alten, die entscheiden, welcher jüngere Mann reif genug ist, bei diesem Begrüssungsritual mitzuwirken.
Hier ein kurzes Video zum Grüssen in Nigeria: https://www.youtube.com/watch?v=tix5WlgrnCs
Die Vielfalt der Begrüssungsformen ist eindrücklich und zeigt, wie wichtig in Nigeria geregelte Beziehungen sind, in denen jede und jeder den eigenen Platz kennt und den anderen mit Respekt begegnet, selbst wenn die Spielregeln nicht für alle gleich fair sind. Die Regeln verändern sich durchs Zusammentreffen verschiedener Ethnien und können bewusst gerechter gestaltet werden.
Béatrice Battaglia

